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Rauchfrei

26. Mai 2006 von Michael | Entspannung

RauchfreiSeit fast 15 Jahren bin ich starker Raucher (ca. 15-40 Zigaretten / Tag) und habe nun am Montag, 22. Mai, um 18:00 Uhr die letzte Zigarette geraucht.

Dies ist mein bisher erster ernsthafter Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören, und ich habe fest vor, das durchzuziehen. Unterstützt wurde das ganze von meiner Firma, die Rauchern die Möglichkeit bot, kostenlos am Seminar Nichtraucher in 5 Stunden teilzunehmen.

Ich besuchte am Montag das Seminar, welches bei uns In-House stattfand. Es wurden in den 5 Stunden diverse Aspekte durchgenommen, wobei das ganze ziemlich locker und witzig rübergebracht wurde. Viele Infos waren mir dabei bereits bekannt, aber die Art, wie die Informationen vermittelt wurden, brachte mich dazu, diese nochmal von Grund auf neu zu betrachten. Ach ja, und jede Stunde gab es eine Rauchpause :-)

Ein paar Erkenntnisse:

  • Rauchen schmeckt nicht, hat noch nie geschmeckt und wird nie schmecken. Die erste Zigarette schmeckte scheußlich, und auch die Kippe nach dem 5-Gänge-Menü schmeckt nicht. Man meint nur, dass die Zigarette nach dem Essen, nach dem Sex, etc. schmeckt, weil der Körper nun endlich wieder Nikotin bekommt und somit die Entzugserscheinungen verschwinden.
  • Man fängt jeden Morgen wieder neu das Rauchen an. Jede Nacht hält man seltsamerweise ohne Entzugserscheinungen durch. Morgens hat man eigentlich das schlimmste hinter sich, ist schon fast entzogen, und nun raucht man die erste. Die erste Kippe am Morgen schmeckt am stärksten, aber fast keinem Raucher am besten. Das liegt am Zeitkorridor: Ideal ist es, alle 45 Minuten eine zu rauchen. Die schmeckt immer, und die Qual mit den Entzugserscheinungen ist nicht sehr lange. Eine nach der anderen schmeckt nicht (außer Alkohol ist im Spiel, denn der betäubt), und nach 12 Stunden Pause schmeckt eine Kippe nicht mehr. Hat damit zu tun, wie schnell Nikotin abgebaut wird, und ist auch der Grund, warum die meisten Leute ca. 20 Zigaretten / Tag rauchen.
  • Die netten Hinweise auf den Zigarettenschachteln („rauchen tötet“, etc. etc.) haben dazu geführt, dass der Zigarettenkonsum nach der Einführung in Deutschland gestiegen ist. Als Grund dafür wird angenommen, dass die Hinweise die Raucher stressten. Fast jeder Raucher raucht mehr, wenn er Stress hat…
  • Der Raucher raucht nur, weil er normal sein will, er will auf das Level eines Nichtrauchers kommen. Also die Entzugserscheinungen vermeiden, deswegen raucht er regelmäßig. Das Nichtraucher-Level wird natürlich nie erreicht, zu groß ist der zusätzliche Stress (ups ich habe nur noch 2 Kippen, der Kinofilm hat Überlänge und ich darf da drin nicht rauchen, Nichtraucherrestaurant, etc. etc.). Offiziell sagt der Raucher natürlich, dass die Kippe z.B. nach dem Essen schmeckt. Aber siehe oben, sie schmeckt nie. Oder würde man etwa sein Lieblingsessen (Pizza, Schweinebraten, oder was auch immer) 3mal täglich essen? Was würde passieren wenn man das macht, z.B. 3 Monate lang?
    Raucher sind entspannter? Blödsinn. Raucher sind alles andere als entspannt, wenn sie mehrere Minuten keine mehr geraucht haben. Sie meinen nur, dass sie entspannt sind, wenn sie rauchen. Klar, Entzugserscheinungen gehen damit weg. Kommen aber bereits 3 Minuten nach dem Rauchen wieder langsam zurück.
  • Bloß keine Nikotinpflaster oder Kaugummis. Damit hören nur die wenigsten Leute auf, und man kommt nie vom Nikotin weg. Außerdem verdienen die Hersteller damit, dass Leute möglichst lange Pflaster bzw. Kaugummis einnehmen und wollen aus wirtschaftlichen Gründen auch nicht, dass Leute schnell und dauerhaft aufhören.
  • Es ist verdammt leicht, aufzuhören. Ich hatte es mir sehr schwierig vorgestellt, aber es fiel mir relativ leicht. Starke Raucher haben es übrigens leichter als Gelegenheitsraucher. Hat damit zu tun, dass ein starker Raucher bereits an 1-2 Tagen alle möglichen Situationen durchmacht, wo er immer raucht (Auto, zum Kaffee, beim Stress, nach dem Essen, Langeweile, Pause, Warten auf Bus, etc. etc.) und sich selber immer einreden kann „wow, und wieder habe ich es geschafft, die Situation xy zu überstehen“.

Wie es mir bisher ging (jetzt 4 Tage ohne Nikotin):
Ich hatte am Tag X, also Montag Abend, alle Zigaretten und Aschenbecher aus der Wohnung entfernt, just in case.
Erstmal Ausdauersport gemacht (Joggen), dann Duschen, umziehen, Essen zubereiten schön beim Essen zeitlassen und geniesen. Danach Küche aufräumen/sauber machen. Dann war es ca. 21:00 Uhr. PC angemacht, und nach 2 Minuten wieder ausgemacht, da ich da sofort eine Rauchen wollte. Dann vor dem Fernseher gemütlich gemacht und 2 Bier getrunken, damit ich schlafen kann. Früh ins Bett gegangen, konnte schnell einschlafen. Hervorragend gut geschlafen, sehr erholsamer Schlaf.

Am Dienstag und Mittwoch hatte ich jeweils am späten Nachmittag leichte körperliche Entzugserscheinungen (Gefühl wie wenn sich eine Erkältung anbahnt). Als ich am frühen Abend Ausdauer-Sport machte (Joggen bzw. Schwimmen), waren diese schon während des Sports wieder weg und kamen auch nicht mehr für den Rest des Abends.
Seit Dienstag nur noch zwischenzeitliche Gedanken ans Rauchen, aber nicht sehr stark.

Sobald ich Raucher sehe, tun sie mir leid. Keine Ahnung warum, aber ist so. Ich habe Mitleid um sie, dass sie dastehen/sitzen, sich das scheiß Nikotin reinziehen müssen, um die Entzugserscheinungen nicht stärker werden zu lassen.

Das einzige, wo ich wirklich noch oft gerne eine Rauchen würde, ist vor dem Rechner, wie jetzt gerade. Liegt wohl daran, dass ich schon immer am Rechner viel geraucht habe, unkontrolliert viel, teilweise fast eine nach der anderen. Trotzdem versuche ich jetzt, diese Situation nicht mehr zu meiden, sondern bewusst anzugehen. Ich weiss ja, ich brauche keine. Ich will einfach nicht.

Gesundheitlich geht es mir sehr gut, beim Sport merke ich, dass ich bereits eine bessere Kondition habe. Nach 4 Tagen ohne Rauch ist auch schon der Geruchs- und Geschmackssinn besser.

Am meisten bin ich vom Schlaf beeindruckt: Ich habe seit Montag einen extrem guten Schlaf, ich habe jeden Morgen das Gefühl dass ich 20 Stunden durchgeschlafen habe, stattdessen waren es nur 6-8 Stunden. Bin morgens also super-erholt.

Fortsetzung folgt…Fortsetzung siehe Fast 4 Monate rauchfrei.

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