Mediacenter-Rechner für das Wohnzimmer
13. Juli 2007 von Michael | Anwendungen, Gadget
Viele setzen ja im Wohnzimmer konventionelle Hardware ein für TV, TV-Aufzeichnungen, Musik hören, DVDs ansehen, uvm. und haben dabei einiges an Gerätschaften herumstehen.
Ich hatte mich vor 2 Jahren dazu entschieden, einen radikalen Schritt zu gehen und alles aus dem Wohnzimmer zu verbannen bis auf einen Fernseher, Dolby-Surround-Receiver und … einen PC.
Den PC hatte ich vor 2 Jahren aus folgenden Komponenten selbst zusammengestellt:
- Gehäuse Coolermaster Cavalier2 inkl. 300 Watt Netzteil
- Motherboard MSI RS480M2-IL, Sockel 939 (MSI 7093-040R)
- CPU AMD Athlon 64 3000+ Sockel 939 SSE3 Venice
- CPU-Kühler Arctic Silencer 64 Ultra TC
- RAM MDT DIMM DDR-RAM 512MB PC400
- Festplatte Samsung SP1614C SATA 160GB 7200rpm 8MB
- DVD-Brenner NEC ND3540A IDE silver
- Fernbedienung Microsoft Win XP MCE Modell 1039
Zusammen mit einer TV-Karte, die ich mittlerweile durch eine DVB-T-Karte mit Twin-Tuner (Hauppauge Nova T 500) ersetzt habe, kam der PC auf etwa 500 €. Das Gehäuse passt dabei mit seinen 43cm Breite in übliches HiFi-Mobiliar.
Heute würde man für diese Konfiguration wohl sehr viel weniger bezahlen, mehr muss auch gar nicht sein, sie ist für meine Zwecke, auf die ich im Folgenden weiter eingehe, vollkommen ausreichend.
Als Betriebssystem dient Microsoft Windows XP MCE (Media Center Edition), welches auf der Maschine sehr stabil läuft. Als Mediacenter läuft ebenfalls das vom MCE. Ich hatte zwar damals auch Alternativen getestet, u.a. auch das kostenlose Mediaportal. Letztendlich konnte mich aber keine Software richtig begeistern, so dass ich beim insgesamt gut bedienbaren und durchaus ausgereiften Microsoft MCE als Mediacenter blieb.
Den PC hab ich über den SVideo-Ausgang der Onboard-TV-Karte mit dem Scart-Anschluss des Fernsehers verbunden, damit der PC auch Klänge von sich gibt habe ich ihn per S/P-DIF mit dem Sourround-Receiver verbunden.
Außerdem habe ich den PC per LAN an die vorhandene Fritz!-Box angeschlossen, so dass u.a. per Internet automatisch TV-Programm-Updates oder etwa Windows-Sicherheits-Updates heruntergeladen werden können. Außerdem kann so auch über einen weiteren PC per Remote-Desktopverbindung einfachst zugegriffen werden.
Die Oberfläche sieht nach dem Starten wie folgt aus:

Hier kann man nun bequem mit der Microsoft-Fernbedienung (oder einer anderen von MCE unterstützten FB) durch das Menü einfach navigieren. Oder man drückt etwa auf der Fernbedienung auf „Live TV“, um das Fernsehen im Vollbild zu starten.
Sind MP3s auf der Festplatte oder im Netzwerk verfügbar, so kann man darauf ebenso einfachst zugreifen:

Praktisch ist auch, dass dank installiertem Codec-Pack der Wohnzimmer-PC eigentlich alles abspielt. So hatte ich auch mehrere DivX-Filme bisher auf einer Festplatte, die ich nun auf DVDs als Daten-Files weggebrannt habe. Nun kann man einfach eine solche gebrannte DVD in den Wohnzimmer-PC einlegen und dann bequem über das Menü den gewünschten Film mit der Fernbedienung auswählen und der internen MCE-Abspiel-Software ansehen.
Fernsehen selbst ist natürlich auch sehr komfortabel: so hat man etwa einen EPG zur Verfügung, von wo aus man übrigens auch direkt gewünschte Sendungen per Taste aufzeichnen lassen kann (Einzel oder Serie mit diversen Optionen).

Eigentlich nicht weiter erwähnenswert ist — weil wohl selbstverständlich, dass das System auch Dinge wie Timeshift beherrscht: so kann man z.B. beim gerade laufenden TV-Programm die Pause-Taste betätigen, um etwa den Kühlschrank oder andere Örtlichkeiten aufzusuchen ;) Wenn man zurück ist, drückt man einfach auf Wiedergabe und schon geht’s an der Stelle weiter. Kam zwischendurch dabei etwa auch noch Werbung, so spult man einfach vor ;)
Dank Twin-Tuner kann man natürlich auch neben laufenden TV-Aufnahme eine andere Sendung ansehen oder diese auch noch parallel aufzeichnen.
Den PC muss man natürlich auch nicht jedesmal booten: per Fernbedienungs-Taste kann man ihn jederzeit in den Standby-Modus setzen, wo er nur wenige Watt verbraucht und binnen weniger Sekunden wieder bereit zur Nutzung ist. Der PC weckt sich dabei auch selbständig auf, um z.B. geplante TV-Aufzeichnungen durchzuführen; danach versetzt er sich wieder selbständig in den Standby-Modus.
So, dies war nur ein Auszug der Möglichkeiten, die man mit diesem System hat. Da es ein vollwertiger PC ist, kann man diesen natürlich auch für entsprechend andere Aufgaben ge- und missbrauchen.
Das von mir oben gelistete System soll nur als Beispiel dienen und zeigen, dass keine sooo großen Hardware-Anforderungen gegeben sind und auch ältere Hardware eingesetzt werden kann.
Achtet allerdings unbedingt darauf, dass Ihr Euch keinen allzu lauten Rechner in das Wohnzimmer holt, denn das kann schnell nerven.
Außerdem solltet Ihr schon etwas Geduld und auch PC-Wissen mitbringen, wenn Ihr eine solche Lösung aufsetzt. Zur Bedienung selbst sind aber keine PC-Kenntnisse erforderlich: jeder der einen Fernseher bedienen kann, sollte auch mit dem MCE zurecht kommen.
Zuletzt möchte ich noch auf die deutschsprachige Anlaufstelle MCE-Community hinweisen, u.a. gibt es im dortigen Forum sehr viele Tipps zum MCE, Hardware-Anforderungen, Erweiterungen, u.v.m.
Ich würde mich über Berichte von Euch freuen, wenn Ihr einen HTPC einsetzt: welche Mediacenter-Software setzt Ihr ein, wie zufrieden seid Ihr damit, welche Hardware läuft bei Euch, etc.



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imaginaction.de » Blog Archiv » Projekt Entertainment
Pingback vom 24. Oktober 2007, 19:48
TV/HiFi in das Heimnetzwerk quasi wahnsinnig macht, tendiere ich immer mehr zum MediaCenter PC. Ein interessanter Artikel dazu gibt mi weiter
9 Comments:
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Joerg
13. Juli 2007, 1:54
Der Link wird wohl so nicht funktionieren.
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Matthias
13. Juli 2007, 7:30
Hach wenn ich das so lese bekomme ich richtig Lust zu basteln :).
Was mich aber interessieren würde: klappt das mit dem Standby und dem aufwecken zuverlässig, oder fährst du den Rechner immer komplett runter?
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Stephan
13. Juli 2007, 7:59
Prima, wenn Du mit dem Rechner zufrieden bist… ich hab 2 verschiedene Kisten und diverse MCEs ausprobiert und bin immer an der Lautstärke oder fummeligen Fernbedienungen gescheitert. Die standby-Klamotte ging auch nicht, weil ich meine Hifi-Abteilung per Steckdosenleiste vom Netz trenne (und das bevor man über CO2 gesprochen hat).
Am Ende ist ein (gebrauchtes) Notebook übergeblieben, das an der Hifi hängt und hübsch und leise im Regal steht. Auf Knopfdruck gehts in den Ruhezustand und fertig. Da ich eh nur meine Musik darauf habe, reicht das völlig aus. Manchmal ist (für mich) weniger mehr ;-)
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fwolf
13. Juli 2007, 17:49
MythTV hast du wohl bei deinen Recherchen übersehen, hm?
cu, w0lf.
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Michael (Author)
13. Juli 2007, 20:07
@Joerg: danke für den Hinweis, ist korrigiert.
@Matthias: Klappt zum Glück einwandfrei. „zum Glück“ deshalb, weil ich schon öfter gehört/gelesen habe, dass Leute Probleme mit dem Standby-Modus haben und es ist wohl oft nicht einfach das zu lösen (z.B. Inkompatibilität eines Hardware-Bausteins etc.). Ich fahre den Rechner nur selten runter, auch weil öfter mal die ein- oder andere TV-Aufzeichnung programmiert ist, und das klappt ja dann nur aus dem Standby-Modus.
@fwolf: nicht wirklich, Linux-Clients hatte ich vor 2 Jahren erst gar nicht berücksichtigt ;)
6
Franz
21. Juli 2007, 18:44
Hab erst jetzt diesen tollen Beitrag gelesen. Hab bisher meine Finger von MCE gelassen, aber jetzt hab ich richtig Lust bekommen es doch mal auszuprobieren.
7
Lars
27. Juli 2007, 12:18
Setze mal mein Media Center dagegen. Im Mai 2007 aufgebaut!
http://www.gruv.de/archives/10.....er-PC.html
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Juniperus
27. Juli 2007, 14:21
Also, ich finde so einen PC im Wohnzimmer ehrlich gesagt nicht so besonders schön.
Ich persönlich habe eine modifizierte Zenega von Bose (hier gibt’s Infos)
Mit einer Gentoo-basierten Linux-Distribution und MythTV als Client läuft die Kiste schnell und zuverlässig.
Die Hardware zum aufnehmen hab ich im Serverraum… äh Arbeitszimmer. ;-)
Die 30 Meter bis dahin hab ich (weils schöner aussieht als ein CAT-X Kabel) mit Telekom Speedport OptoLAN verlegt.
Im Wohnzimmer hab ich so nur den kleinen Client – und die Arbeit macht der Server, der nebenbei auch noch andere Sachen machen kann… ;-)
Der Vorteil ist die sehr große Kostenersparnis…
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Walter
24. Oktober 2007, 22:37
Wow, das klingt ja echt spannend …
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